Was ist Spielen?

Wir kennen sie wohl alle, die Zurufe aus der Ferne: „Er möchte nur spielen!“. Oder haben wir nicht alle schon Situationen auf einer „Hundewiese“ beobachtet, bei denen Zweifel aufkamen, ob diese Hunde wirklich spielen?

Was ist denn überhaupt ein Spiel und was macht ein soziales Spiel unter Hunden aus?

Spielen dient in erster Linie der Kommunikation und gehört zum Verhaltensrepertoire.

Woran erkenne ich denn ein Spiel unter Hunden?

  • Körperhaltung >Vorderkörpertiefstellung
  • Bewegung > freudig übertriebene Bewegungen
  • Mimik > Spielgesicht
  • Lautäußerung > Spiellaute

Was macht ein Spiel aus?

  • Sprunghafte Rollenwechseln mit ständigen Wiederholungen
  • selbstbelohnend
  • ansteckende Wirkung
  • ohne Ernstbezug
  • die Spielpartner sind physisch gleichberechtigt oder im Verhalten souverän und geübt

Welche Arten von Spiel gibt es?

  • Rennspiele
  • Maulfechten
  • Raufen

Wenn man sich diese Fakten vor Augen führt, kommt man schnell zu dem Entschluss, dass nicht jedes Spiel für alle Spielpartner auch ein freudiges Ereignis ist.

Häufig sieht man allerdings Hunde, die sich ablegen, den Spielpartner fixieren und dann ins Hetzen kommen. Das ist KEIN Spiel, sondern dies sind Sequenzen aus dem Beutefangverhalten. Diese missverstandenen Verhaltensweisen werden nicht selten Mini-Rassen zum Verhängnis. In der Vergangenheit gab es bereits Fälle, bei denen ein Barsoi (Russischer Windhund) in einem Rennspiel einen Chihuahua getötet hat.

Auch wenn solche Sequenzen nicht immer gleich zum Tod führen, so arten sie jedoch auch unter ebenbürtigen Spielpartnern häufig zu erheblichem mentalen Stress für einen der Spielpartner aus.

Aufgrund von Corona und zeitweise geschlossenen Hundeschulen verabreden sich aktuell viele Hundebesitzer zum gemeinsamen Spielen und Toben. Zu solchen Treffen erscheinen in der Regel Besitzer mit jungen dynamischen und pubertierenden Hunden.

Beobachtet man dieses Spiel ein wenig, wird klar welche Bedeutung diese Interaktion für die Hunde hat. Die Hunde trainieren ihre motorischen und kognitiven Fähigkeiten, sie schulen ihre Koordination, testen Verhaltensweisen aus und festigen ihre sozialen Strukturen.

Sie testen sich also aus, um an Vielfältigkeit des Sozialverhaltens zu gewinnen.

Dieses Austesten kann in ein Kräftemessen ausufern und entsprechend kippen.

Eindeutige Anzeichen für ein Kräftemessen, welches unter Umständen unterbunden bzw. unterbrochen werden sollte:

  • steifes Drüberstehen eines Hundes
  • Aufreiten
  • ausufernde Verhaltensweisen
  • andauernde Raumeinschränkung eines Hundes

Manchmal möchte einer der Hunde seine neue tolle Errungenschaft (z.B. Stock oder Buddelloch) präsentieren. Dann heißt es Obacht!

Wird eine Ressource in ein Spiel eingebracht, möchte vielleicht nicht jeder gern teilen und neigt dann zur Verteidigung dieser Ressource.

Bei vertrauten und sozial geschulten Spielpartnern kann eine Spiel auch sehr harmonisch und belohnend ausfallen, das für das Wohlbefinden und die Auslastung zuträglich ist.

Doch damit es auch ein Zugewinn für alle Spielpartner ist, sollte ein Spiel von allen Seiten gewünscht, erfragt und nicht einfach eingefordert werden.